
Zahlreiche künstlerische Arbeiten sind im speziellen Hörspiellabor an der KHM in den letzten Monaten entstanden, die auf vielfältige, audiophone und installative Weise unsere Wahrnehmungsvorgänge thematisieren und uns einen sinnlichen Eindruck verschaffen können, dass die akustische Welt eine wirkmächtige Instanz, ein komisches Labyrinth und phantasmatische Größe ist.
Das Hörspiellabor wurde betreut von Mara Genschel, Tobias Hartmann und Kathrin Röggla.

Kennen Sie das, wenn Ihr Sprachzentrum über Nachrichten-Sprech stolpert und im freien Fall loslegt? Das Hörstück „Die Nachtrichen“ kultiviert Echolalie, spiegelt und demontiert Phrasen, nötigt der Radiostimme den Dialog mit dem privaten Headspace ab.
© Luka Lenzin
von Luka Lenzin

Luka Lenzin arbeitet in Köln und Hamburg mit Sprache, Musik und Zeichnung. In deren Anwendung schätzt they das Ungewöhnliche und wird stets nach Perspektivwechseln streben.
© Luka Lenzin

Ich reise in die Stadt der Organe, um mein linkes taubes Ohr gegen ein künstliches Ohr einzutauschen. Hörtests und Untersuchungen mit spitzen Lupen werden vorgenommen. Es rauscht, knattert und fiept, dumpfe Stille hämmert aufs Trommelfell. Immer wieder erklingen Stimmen aus der Selbsthilfegruppe für Menschen mit künstlichen Ohren. Sie berichten aus der Zwischenwelt von Hören und Hörverlust und geben mir Ratschläge für meine Operation.
© privat

Elena Ubrig studiert Film an der Kunsthochschule für Medien und arbeitet als Regieassistentin für Hörspiel und Feature beim WDR.
© privat

Diese Ouvertüre für ein geplantes Theaterstück unter dem selben Namen öffnet wortwörtlich die Türen zu einer anderen Welt: dem Ruhrgebiet. Genauer: einer Kneipe im Ruhrgebiet. In den schmuddeligen Innenräumen des Xenias treffen verschiedenste Figuren der queeren Arbeiter*innengeschichte aufeinander und trinken, lachen und schäkern, über die Grenzen der Zeitlichkeit hinaus. Grundlage für die Arbeit ist das Leben der im Nationalsozialismus verfolgten trans Frau Toni Simon, die im Essener Nordern eine Gaststätte besaß.
© Yohan Holtkamp, Toi Tautorus und Maria Babusch

Yohan Holtkamp ist Dichter und Performance-Künstler. Er studiert an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seine Texte wurden in mehreren Anthologien veröffentlicht, u.a. im Jahrbuch der Lyrik und den horen. Performative Arbeiten waren zuletzt auf dem auftakt Festival und in der Temporary Gallery zu sehen. 2025 war er Resident am Center for Literature und Guest Lecturer ander Kunstakademie Münster.
© Chris Weiher/read together

Toi Tautorus kommt aus Recklinghausen, lebt in Köln und studiert nun Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien nach dem Studium der Medienkulturwissenschaft und Philosophie in Köln und Rom. Prosa von Toi Tautorus erschien in zahlreichen Zeitschriften. 2023 erhielt sie den Publikumspreis sowie den 2. Preis beim Kölner Förderpreis für junge Literatur und zuletzt den Hauptpreis des Frankfurter Romanfabrikschreiber:innen-Preises. Derzeit arbeitet Toi Tautorus an ihrem Debutoman.
© privat

Maria Babusch arbeitet als Autorin, Theatermacherin und Moderatorin. Ihre Lecture Performance „Hacker auf Estradiol“ wurde u.a. zum Favoriten Festival 2024, dem Droste Festival und der Reihe Unruly Readings am Orangerie Theater Köln eingeladen. In 2025 kuratierte sie eine Reihe literarischer Veranstaltungen für die Temporary Gallery. Ihre Texte erschienen in Zeitschriften sowie online.
© privat

Ein Hörstück, das sich mit der Institutionalisierung weiblicher Körper innerhalb der Psychiatrie auseinandersetzt. Das Stück ist in Form eines Briefes geschrieben und adressiert „Sarah“, die sich seit elf Jahren in der geschlossenen Psychiatrie befindet. Die Patientin lebt abgeschottet von der Außenwelt, die Zeit scheint stillzustehen. Wie ist Erinnerung möglich, wenn ein Tag dem anderen gleicht? Durch welche Mechanismen behauptet sich das Persönliche einer Biografie innerhalb des streng reglementierten Alltags einer Psychiatrie? Um sich dem Leben der Insassin „Sarah“ abseits der Psychiatrie anzunähern, werden Reisen in die nahe Vergangenheit der 2000er Jahre unternommen.
Die Klänge aus der pubertären Kinderstube schweben über dem Text wie etwas, was Mark Fisher mit dem Konzept der Hauntologie belegt: eine Kulturlandschaft, die von „verlorenen Zukünften“ heimgesucht wird – den unerfüllten Versprechen der Moderne und Sozialdemokratien des 20. Jahrhunderts, die durch Neoliberalismus und kapitalistischen Realismus zunichte gemacht wurden. Der Diskurs richtet den Blick auf eine gesellschaftliche Wunde, derer man sich innerhalb der Mehrheitsgesellschaft noch nicht hinlänglich angenommen hat.
© privat
Text: Caroline Weyers, Sound Design: Bella Comsom, Sprecherin: Marlene Meissner
von Caroline Weyers und Bella Comsom

Caroline Weyers ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die in den Bereichen Film, Fotografie und Installation arbeitet. Die Auseinandersetzung mit dem Körper und seinen affektiven Potenzialen sowie die Kritik am sozialen Gefüge unseres Alltags spielen in ihrem Werk eine wichtige Rolle. Sie lebt und arbeitet in Köln.
© Kurt Heuvens

Bella Comsom ist eine brasilianische transdisziplinäre Klangkünstlerin mit Sitz in Köln, außerdem Komponistin und Performerin, deren Arbeit experimentelle Musik, Spatial Audio und Installation miteinander verbindet. Ihre Praxis untersucht Erinnerung, Resonanz und die Politik des Klangs. Sie schafft immersive Umgebungen, die die physischen und affektiven Dimensionen des Zuhörens erforschen.
© Simon Baptist